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Korsika 2017

Korsika
L'Ile de Beautè, die Insel der Schönheit und zugleich ein Gebirge direkt im Meer, scheint für uns Kletterer wie geschaffen. Das 8'680 Quadtratkilometer grosse Eiland besteht praktisch aus einem kristallinen Granitsockel und ragt bis zu 2700 Meter über den Meeresspiegel. Die mit 37 Menschen pro Quadratkilometer (325'00 Einwohner) geringe Bevölkerungsdichte zeigt ganz klar, dass ein Grossteil der Insel unbewohnbare Wildnis oder Gebirge aufweist.

Bekannt für seine Klettergebiete wurde Korsika nicht zuletzt durch die an Bienenwaben erinnernden Gesteinsformationen, den sogenannten Tafoni (Pietra tafunata = durchlöcherter Stein). Bei der Tafonierung bilden sich durch chemische Verwitterung von innen nach außen („Kernverwitterung“) kugel- bis nierenförmige Hohlräume mit einem Durchmesser von wenigen Zentimetern bis zu einem halben Meter und mehr. Manchmal bleiben Verwitterungsrinden erhalten und bilden die für das Klettervolk so begehrten, gutgriffigen Überhänge.

Ihre genaue Entstehungsweise ist umstritten, steht aber wohl im Zusammenhang mit Bergfeuchteunterschieden im Gestein: Sickerwasser im Gestein verdunstet und setzt seine Lösungsfracht an der Oberfläche ab; nach und nach zersetzt sich der Stein von innen und es bilden sich die kleinen rundlichen Hohlräume. Mechanismen der Salzverwitterung können ebenfalls zur Tafoni-Entstehung beitragen.

Erstaunlicherweise sind die fragil anmutenden Gebilde extrem stabil. Beim Klettern muss man sich allerdings erst daran gewöhnen, sein ganzes Gewicht diesen Strukturen anzuvertrauen. Bei ganz dünnen Verbindungsbrücken rechnet man trotzdem insgeheim mit einem knirschenden Bruch. Obwohl wir mit der Zeit immer frecher beim Gebrauch der Tafonis wurden, mussten wir keinen derartigen Bruch erleben. Ob die gefädelten Bandschlingen in diese natürlich entstandenen Sanduhren allerdings einen Sturz gehalten hätten, entzieht sich ebenfalls unserer Kenntnis. Die Probe "par example" blieb glücklicherweise aus.

Auf der gesamten Insel, die sich von Norden bis ganz im Süden auf 183 Kilometer erstreckt, finden sich unzählige Klettergebiete. Die beiden grössten und auch bekanntesten Gebiete sind zweifellos das Restonica-Tal bei Corti und die Aiguilles de Bavella am gleichnamigen Pass. An beiden Orten ist der Fels phänomenal und gespickt mit unzähligen Tafoni-Strukturen.

Wir verbrachten insgesamt 12 Tage auf der wunderschönen Insel, wovon 10 Tage dem Klettern gewidmet wurden. In der Folge berichte ich nun über die einzelnen, von uns besuchten Gebiete und deren Eigenheiten. Viel Spass beim Lesen und virtuellen Mitklettern...