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Schmalstöckli "SFS direkt"

Schmalstöckli "SFS direkt", 6b+/6c, 5 SL
(Sanierung und neue Direktlinie im oberen Teil)

Die Vereinigung der "Urner Kletterfinken" listet jährlich in ihrem Jahresprogramm einen Ausbildungstag. Letztes Jahr wurden an der Rynächtfluh einen Abend lang alle Aspekte des Sanierens und das fachgerechte Setzen von Bohrhaken behandelt. Mit viel Bezug zur Praxis wurden diverse Hakentypen und Verbundanker besprochen und natürlich auch im Fels versenkt.

In diesem Jahr wollten wir nun das "Erlernte" definitiv in der Praxis anwenden und einen heimischen Klettergarten oder sogar eine MSL-Tour sanieren. Die Wahl fiel dabei auf die Route "SFS" am Schmalstöckli, die mit ihren 5 Seillängen ein ideales Mass aufweist, wobei die ersten zwei Längen bereits früher schon saniert worden sind.

Der anfängliche Termin Ende Mai fiel dem vielen Schnee zum Opfer. So wurde die ganze Aktion auf Ende Juni verlegt - ein weiser Entschluss, wie sich zeigen sollte. Der Schnee war verschwunden und es herrschten beste Bedingungen in der Lidernen. Zu dritt machten wir uns auf den Weg ins Riemenstaldnertal und gondelten mit der Chäppeliberg-Seilbahn gemütlich zur Lidernen hoch. Beim obligaten Kaffee-Halt in der Lidernenhütte besprachen wir den Detailplan und das weitere Vorgehen. Bruno Bollinger wollte lieber am Einstieg bleiben und die ganze Sanierung fotografisch dokumentieren. Martin Zurfluh und ich übernahmen das Handwerk in der steilen Wand, wobei Martin als Sherpa fungieren sollte.

Just als wir am Einstieg oben ankamen, stieg eine Seilschaft in die "Globi" ein, die knapp rechts der "SFS" hochführt. Ein weiteres Team war gerade in der Schlüssellänge der "SFS" tätig. Wir liessen uns von diesem hohen "Verkehrsaufkommen"aber nicht beirren und behängten uns mit dem nötigen Material. Die ersten beiden, bereits sanierten Seillängen der "SFS" bis zum komfortablen Zwischenband stieg ich in einem Zug vor und sicherte Martin mit seinem schweren Rucksach straff nach.

Das Team, welches in der "SFS" unterwegs war, blies angesichts unserer Ambitionen zum Rückzug und wechselte in die benachbarte "Via Tanja". Besten Dank für diese freundliche Rücksichtnahme und das Verständnis. Nun ging es also los mit der Sanierung. Um auch nach den Renovationsarbeiten ein "technisches Überlisten" der Schlüsselseillänge zu gewährleisten, setzten wir die Bohrhaken eng genug, platzierten sie aber so, dass sie bei einer freien Begehung ergonomischer zu klippen sind. Aus diesem Grund wiederholte ich diese Sequenz zweimal und bohrte erst, als wir beide vom richtigen Standort überzeugt waren.

Am nächsten Stand setzte ich zwei solide Ringe und liess meinen treuen "Lastesel" nachsteigen. Mit dem schweren Rucksack war diese steile Passage für Martin wahrlich kein "Zuckerschlecken", er folgte aber zügig nach und überprüfte dabei auch den Fels auf allfällig lose Partien. Der alte Originalstand war mit vielen Reepschnüren und Schlingen zu einem wahren Kunstwerk verknüpft worden. Das Aufräumen und Ausnageln wollten wir jedoch erst im Abstieg erledigen.

Weiter ging es in die vierte Seillänge. Vom Stand weg ist dabei ein steiler, kleingriffiger Aufschwung zu überwinden. Ich stieg zuerst bis auf ein bequemes Band durch, setzte dort einen Bohrhaken und liess mich nach kurzer Beratung wieder zurückgleiten, um einen vernünftigen, zusätzlichen Zwischenhaken zu setzten. Schliesslich wollten wir die Route ja nach Plaisir-Standart ausrüsten. Vom erwähnten Band beginnt links ansteigend eine üble Grasrampe mit grossen, losen Blöcken. Die Originalroute folgt dieser Rampe und führt zu einem Stand in einer brüchigen Nische.

Diesen Abschnitt - so hatten wir es auch mit dem Hüttenwart der Lidernenhütte besprochen - wollten wir irgendwie vermeiden und möglichst geschickt umgehen. So kletterte ich erst einmal gerade hoch, fand dabei ausgezeichneten Fels, stieg weiter und weiter, war aber immer darauf bedacht, wieder nach links auf die alte Führe zu gelangen. Dort waren aber nur brüchiger, labil aufgeschichteter Fels und widerliche Graspartien zu erkennen. Bei einer Erstbegehung hätte ich nicht lange gefackelt und wäre der Nase nach durch den besten Fels hochgestiegen. Hier ging es aber um eine Sanierung und die Respektierung einer alten Route.

Irgendwann, bei einem bequemen Bändchen, liess ich Martin nachsteigen und wollte seine Meinung zu unserem kleinen Dilemma hören. Lange, lange schauten wir uns die Situation an: Ein Quergang nach links war in Anbetracht der Felsqualität alles andere als optimal. Gerade hoch schien der Fels perfekt und auch vernünftig kletterbar. Mindestens einen Augenschein wollte ich nehmen und stieg ein paar Meter direkt hoch. So artete unsere Sanierung zu einer veritablen Erstbegehung aus. Da ich keine Cliffhanger dabei hatte, musste ich die allernötigsten Haken direkt aus der Kletterstellung heraus setzen. Je weiter ich stieg, desto überzeugter war ich von unserer neuen Lösung!

Der Entscheid war nun definitiv gefallen! Martin liess mich ein schönes Stück zurückgleiten, damit ich die fehlenden Zwischenhaken nachträglich platzieren konnte. Als dies erledigt war, pullte ich zum Umkehrpunkt hoch und stand vor der letzten Herausforderung. Ein kleiner Überhang mit anschliessenden Wasserrillen versperrte den Weiterweg. Die Stelle schien machbar, aber zuerst musste ein weiterer Sicherungspunkt gebohrt werden. Dank einem "Briefkasten-Schlitz" für die linke Hand konnte ich den Bohrer hoch ansetzen, musste aber zweimal das Laktat aus dem Unterarm schütteln, bis der Haken endlich an seinem definitiven Platz funkelte.

Die anschliessende Überwindung dieser Stelle kostete nochmals etwas Kraft. Mit zwei Seitengriffen an den Wasserrillen und einem abschliessenden Mantle konnte ich diese interessante Passage lösen, dann war der Weg frei zum Gipfel. Ich setzte nochmals drei Bohrhaken und stand endlich am Gipfelgrat, der stark verkarstet ist. Ein erster Standplatzhaken war rasch gesetzt, den zweiten setzte ich erst, als Martin erfolgreich nachgestiegen war.

Schnell machten wir uns auf den Rückweg und begutachteten dabei unser Werk. Weiter unten räumten wir noch den alten Plunder aus der Route und staunten, wie gut die Normalhaken in den verschlungenen Kalkrissen sassen. Martin drosch etliche Male mit dem Hammer auf diese Dinger, bis sie endlich an seinem Gurtzeug hingen. Vom grossen Zwischenband konnten wir in einem Zug zu Boden gleiten und endlich zur lang ersehnten Trinkflasche greifen. Wo aber war Bruno, unser Fotograf? Plötzlich raschelte es in einem Arvenbusch neben dem Wandfuss und ein gelber Helm wurde sichtbar. Mit einem Schmunzeln verliess Bruno sein schattiges Lager und gratulierte uns zur vollbrachten Arbeit.

Auf dem Rückweg zur Lidernenhütte träumten wir bereits von einem kühlen Most und liessen den genialen Tag Revue passieren. Vielen Dank meinen beiden Mitstreitern Martin und Bruno für das tolle Erlebnis und die gute Zusammenarbeit!

Dank der Sanierung und der direkten Linienführung im oberen Teil klettert sich die SFS nun fast durchgehend in bestem Fels. Der Kalk ist meist kompakt, rau und griffig. Als Schlüsselstelle gilt die 3. Seillänge, die aber weiterhin auch technisch ermogelt werden kann. In der vierten und fünften Seillänge, die neu erschlossen wurden, finden sich sehr schöne Kletterpassagen im Bereich 6a bis 6b. Viel Spass allen Wiederholern!

Hier kann das aktualisierte Topo [3á030 KB] der "SFS" am Schmalstöckli als pdf-file geladen werden.