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Gelmerfluh

Gelmerfluh
"Chopper", 7a, 7 SL
"Sagittarius"6b, 13 SL
Nach einer Erkundung in unserem Strahlnergebiet mussten wir leider feststellen, dass die anvisierte Kluft noch immer unter dem Altschnee verborgen blieb. Diese Zwangspause nutzten wir für einen ausgefüllten Klettertag an der Gelmerfluh. Für meinen Bruder Kurt war es eine Premiere in beiden Linien, selber kannte ich die Route "Chopper" noch nicht.

Der aktuelle Zustand der Einstiegsrinne, durch die man rund 150 Meter bis zum Start von "Chopper" hochsteigen muss, war uns nicht bekannt. Vorsorglich trugen wir hohe Bergstiefel und führten einen Pickel mit uns. Das Ganze entpuppte sich an der Mündung der Rinne als ein heikler Hindernislauf durch gewaltige Firnblöcke: mal oben drüber, mal beängstigend unten durch. Wie schon oft gelesen, wählt man dieses Ziel besser früh im Jahr (bei durchgehender Schneelage) oder spät im Sommer/Herbst bei kompletter Ausaperung. Nach dem Firnblock-Parcours versperrte ein fieser Aufschwung den seilfreien Weiterweg. Wir umgingen kletternd und seilgesichert dieses Hindernis auf der rechten (südlichen) Umgehungsvariante, wo ein paar hilfreiche Bohrhaken stecken. Im Abstieg kann an dieser Stelle kurz abgeseilt werden.

Nach weiteren 60-70 Kraxelmetern dem Bachbett entlang, erblickten wir links die Bohrhaken der Einstiegslänge. Es sah auf den ersten paar Kletterzügen gar nicht verlockend aus, da Schmelzwasser aus den Rissen quellte und Restschmutz eines kürzlich erfolgten Felsabbruchs den Platten anhaftete. Die enge Absicherung rettete uns über dieses rutschige Startdrittel. Die restliche Länge war dann bereits trocken und flüssig zu klettern. Ausgerechnet an der Schlüsselstelle der zweiten Länge rann die Nässe wieder über die spärlichen Griffe und zwang uns zu einem kurzen Kunstgriff. Ab da war das Wasser kein Thema mehr.

In ungewohnt steiler und griffiger Art folgt man nun einem logischen System von Rissen und Verschneidungen, quert in der Folge unter einem Dach nach rechts und findet dabei immer wieder die nötigen Haltepunkte. Die Kletterei ist grimsel-untypisch gespickt mit athletischen Zügen und Piaz-Passagen an rauen Schuppen. Ganz zum Schluss, auf den letzten Metern, darf dann noch etwas auf Reibung hingestanden werden. Die Bewertungen der einzelnen Längen (6a+, 7a (6a+ mit 2 p.a.), 5c+, 6a+, 5c+, 5c+, 5c+) sind im Vergleich mit «Sagittarius» eher hart, aber durchaus vertretbar.

Wir seilten zügig ab, wobei man mit 50 m Reichweite nur die Chromstahl-Standplatten benützen muss, was insgesamt zu vier Manövern nötigt. Weil wir nicht im munter sprudelnden Bachbett landen wollten, fädelten wir auch den 1. Standplatz ein und konnten so schräghaltend auf eine grosse, trockene Steinplatte im Schluchtgrund hinsteuern.

Eine Stunde später, nach erneutem Hindernislauf und zweimaligem Abseilen, standen wir am Start von «Sagittarius». Hier war alles wunderbar trocken. In abwechselnder Führung schlossen wir bald zu dem vorauskletternden Team auf und wurden sehr freundlich aufgefordert, gleich weiter zu klettern. Besten Dank den beiden netten Jungs für diese zuvorkommende Geste. Die schmerzenden Zehen erinnerten uns daran, dass sie seit bald 20 Seillängen in den engen Kletterpatschen steckten.

So war es fast eine Erlösung, als wir am Ende der Route mit der Abseilfahrt beginnen durften. Genau drei Stunden nach dem Start in «Sagittarius» kühlten wir die Füsse im kleinen Bächlein am Einstieg unten und machten uns auf den Weg zum verdienten Bier im Hotel Handeck. Vielen Dank an meinen Bruder für den höchst genussvollen Klettertag im Grimselgranit. So effizient unterwegs zu sein macht einfach ganz viel Spass.