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Griesstal

Griesstal
Auf halbem Weg zur Bergseehütte findet man im Griesstal verschiedene Granitwände, die in den letzten Jahren perfekt zum Klettern eingerichtet wurden. Es ist in erster Linie dem grossen Engagement von René Schweizer und seinen Freunden zu verdanken, dass an diesem unscheinbaren Ort ein wahres Kletterjuwel entstanden ist.

Die verschiedenen Sektoren sind sehr vielseitig und wer denkt, Granitklettern sei eintönig, wird hier zu einer ganz anderen Schlussfolgerung kommen. Klar dominieren Rissklettereien oder extrem feine Passagen über steile Platten. Die Feslstrukturen sind aber überraschend abwechslungsreich und für Granit teilweise völlig ungewöhnlich.

An diesem schönen Oktobersamstag war wieder einmal mein Bruder mit von der Partie. Gemütlich stigen wir über den Hüttenweg Richtung Bergseeschijen und fotografierten immer wieder die wunderschön verschneite Kette der Winterberge mit dem Dammastock als Chef. Der windstille Tag und die starke Höheninversion trieben uns schon bald den Schweiss aus den Poren.

Noch wärmer wurde es am Einstieg oben. Dieser liegt in einer windgeschützten Mulde und lässt nicht die kleinste Thermikablösung an den Wandfuss. Ein paar Meter höher in der Wand besserte sich dieser Zustand, aber zum richtig schwer klettern war es immer noch eine Spur zu warm. Damit ist wohl auch klar, dass dieses Gebiet eher in der Zwischensaison oder an kühleren Sommertagen zu empfehlen ist.

Wir hatten kein Topo dabei, was angesichts der am Einstieg angeschriebenen Routen inkl. Bewertung auch gar nicht benötigt wird. Schon beim Zustieg konnten wir uns die schönsten Linien aussuchen und waren dementsprechend hoch motiviert, endlich Hand anzulegen. Wir starteten ganz rechts aussen und arbeiteten uns Route um Route nach links.

Ideal zur herrschenden Hitze passte da natürlich "Burnin Hell", die auch in den Kletterfinken für Feuer sorgte. Die Risse sind in der Regel gut als Piaz zu klettern, wobei da und dort eine Kante heimtückisch rund ist. Die durchwegs perfekte Absicherung erlaubt aber ein Klettern am Limit. "Freundliche" Klemmhilfen für die Risse sind nicht nötig und wären teilweise auch schwierig zu legen.

Waren wir zu Beginn noch ganz alleine im Gebiet, stiessen später ein paar weitere Urner dazu. Bei dem breiten Routenangebot hat es aber genügend Platz für mehrere Seilschaften. Begehrter waren dagegen die raren Schattenplätze zwecks Verzehr der mitgebrachten Speisen. Im Verlauf des Nachmittags wurden die Schulterblätter immer steifer, die Finger stets wunder und das Fussbrennen unerträglicher. So machten wir uns, vollgepackt mit vielen neuen Eindrücken, auf den Weg zum kühlen Bier im Berggasthaus Dammagletscher.

Was mich schon den ganzen Tag irritiert hatte, wurde bei der Heimfahrt zunehmend störender: Die herumschwirrenden schwarzen Punkte und die grellen Lichtblitze in meinem linken Auge entpuppten sich schliesslich als Symptome einer beginnenden Netzhautablösung, welche mit mehreren Laserbehandlungen aber glücklicherweise vermieden werden konnte. Die wunderschönen Kletterfelsen im Griesstal blieben aber im inneren Auge haften und lassen mich jetzt schon sehnsüchtig auf den Frühling warten.

Vielen Dank, Bruderherz, für den sehr eindrücklichen Klettertag und und die unterhalsamen Stunden. Ich hoffe, wir dürfen noch viele solche Tage zusammen am Berg verbringen.