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Ueschenen

Ueschenen
"Hotzeplotz" 5c+, 5 SL
"Beim Barte des Geiers" 6b, 5 SL
"Salü Res" 5c+, 4 SL
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Vielleicht kann man die sonnigen Platten oberhalb von Kandersteg als die Geburtsstätte des Plaisirkletterns bezeichnen. Hier wurden schon in den 1970er-Jahren Routen mit einer guten Absicherung eingerichtet und geklettert. Bis in
die heutige Zeit werden noch neue Linien gefunden und erschlossen. Die schönsten Tage erlebt man im Herbst, wenn die umliegenden Gipfel bereits eine weisse Kuppe tragen, mit den herbstlichen Farben kontrastieren und die
Sonne den Fels noch angenehm warm hält, einfach herrlich!"
Mit dieser treffenden Einleitung beschreibt Sandro von Känel im Kletterführer Plaisier Ost sehr stimmungsvoll das Klettergebiet Ueschenen im Kandertal.

Gerne wollten wir dieses zauberhafte Ambiente selber mal erleben. Auf der langen, aber reibungslosen Zufahrt durchs Kandertal zeigte sich dieser Flecken Erde von seiner besten Seite. Während wir die vielen Kehren der taxpflichtigen Strasse zum Rychebärgli hochfuhren, öffnete sich das Tal und präsentierte eine zauberhafte, von lieblichen Alpen dominierte Landschaft. Beim Berggasthaus Rychebärgli entrichteten wir gerne den Obulus für den Parkplatz und schulterten unsere Rucksäcke. Nach einer halben Stunde gemütlichen Aufstiegs standen wir bereits unter den ersten Routen, die durch markante Wasserrillen charakterisiert sind. Rasch waren wir startklar und wählten als Eingehtour die gemütliche "Hotzeplotz", welche perfekt abgesichert in fünf Seillängen dem rechten Begrenzungspfeiler einer Schlucht folgt.

Die Schwierigkeiten sind homogen auf die ganze Linie verteilt und liegen meist im oberen, fünften Franzosengrad. Viel zu schnell endete die gut strukturierte Wand und entliess uns in ein gutgängiges Grasband, auf dem wir nach rechts zur Abseilpiste querten. Es bieten sich dabei viele Möglichkeiten für diese Abstiegsvariante; unsere Wahl fiel auf die "Familienroute", welche uns in vier Sequenzen wieder auf den Boden brachte. Der nächste Angriff unsererseits erfolgte diesmal links der erwähnten Schlucht. Die erst 2016 neu eröffnete Route "Beim Barte des Geiers" sah schon von unten verlockend aus. Die Startseillänge gehört noch zur "Wassermaa", dann führen neue Bohrhaken über dem markanten, grossen Dach (Le toit) links weg über eine feingriffige Platte. Diese Platten, die glücklicherweise immer wieder ein paar griffige Löcher ausweisen, sind das Markenzeichen der Route.

In lohnender Manier überwindet man diese hellgrauen Panzer und findet für die Füsse stets ein paar passende Unebenheiten. Den zweitletzten Stand bezieht man unter einem kleinen Dachaufschwung, der gemäss Kletterführer auch die Schlüsselstelle sein soll: Schwierige Stelle zu Beginn der letzten SL (Spannweite und bewegliche Beine...), gefolgt von anspruchsvoller Wandkletterei. Der Aufschwung selber ist dank einer guten Leiste für beide Hände relativ gut zu knacken, die steile Wandkletterei verlangt dann etwas Spürsinn für den gangbarsten Weg. Insgesamt eine fantastische, vielseitige Seillänge! Auch meine zwei Gspändli Stine und Romano freuten sich über einen gelungenen Durchstieg, überliessen mir aber dankend den Gipfel-Schnupf, denn ich nun gezwungenermassen alleine geniessen musste.

Über die Route abseilend, standen wir "gleitig" wieder bei unserem Materialdepot am Wandfuss. Nach kuzer Konsultation des Kletterführers fiel nun der Entscheid auf die benachbarte "Salü Res", welche dem 2009 verunglückten Res von Känel gewidmet ist. In dieser 2011 erstmals begangenen Route sah vorallem die Schlusslänge sehr vielversprechend aus. In drei langen Plattensequenzen, über die man an feinen Strukturen hochschleicht, gewinnt man den Fuss der steilen Schlusswand. Leider sieht diese Wand von unten deutlich besser aus, als sie vor Ort effektiv daherkommt. Die Kletterzüge sind zwar wunderschön, aber der Fels zeigt nicht mehr die Bombenqualität der vorangegangenen Längen. Dies ist aber Jammern auf hohem Niveau und soll keineswegs Wiederholer abschrecken. Die Route ist wirklich sehr lohnend und abwechslungsreich. Glücklick und zufrieden gratulierten wir uns am Ausstieg und trafen rasch die Vorbereitungen für eine zügige Abseilfahrt.

Genug für heute! Wir packten unser Material in die Rucksäcke und genossen bereits eine Viertelstunde später ein wohlverdientes Zabig-Plättli im Bergbeizli Richebärgli. Besten Dank an Stine und Romano für den genussvollen Klettertag in Ueschenen! Hier findet sich ein Übersichtstopo Ueschenen [2 751 KB] (aus dem neuen Kletterführer Plaisier West), welches im Internet frei herunter geladen werden kann. Viel Spass beim Klettern im Kandertal.